Zusammenfassung
Grundproblematik und Fragestellung: Nach wie vor wird bei Patienten mit suprasellären Meningeomen erst sehr spät die
richtige Diagnose gestellt. Das Ziel unserer Untersuchung besteht darin, den Einfluß
dieser Verzögerung auf das ophthalmologische Langzeitergebnis bei den Patienten darzustellen.
Patienten und Methodik: Im Rahmen einer retrospektiven Studie wurden alle 53 in unserer Klinik konsekutiv
von 1982 bis 1991 an einem suprasellären Meningeom operierten Patienten (47 Frauen,
6 Männer, durchschnittliches Alter 49,5 Jahre) kontaktiert. 46 der 49 noch lebenden
Patienten willigten in die zu Studienzwecken durchgeführten Nachuntersuchungen ein.
Das Ausmaß der präoperativen Sehstörungen, die Tumorgröße, das Vorliegen einer Nervus-opticus-Atrophie
und die Dauer der Sehstörungen, die als indirekte Parameter für die Schnelligkeit
der Diagnosestellung angesehen werden können, wurden auf ihren Einfluß auf das ophthalmologische
Langzeitergebnis hin analysiert.
Ergebnisse: Im Mittel wurde die Diagnose eines suprasellären Meningeoms 22,3 Monate nach Einsetzen
erster Sehstörungen gestellt. Mit Hilfe der genannten Parameter konnte nachgewiesen
werden, daß die ophthalmologischen Langzeitergebnisse umso schlechter waren, je später
bei den Patienten die richtige Diagnose gestellt wurde.
Folgerungen: Die häufig sehr späte Entdeckung suprasellärer Meningeome als Ursache progredienter
Sehstörungen ist ein internationales Problem und liegt vermutlich an der relativ geringen
Inzidenz dieser Tumoren (1-2 Erkrankungen pro 1 000 000 Einwohner pro Jahr). Um die
ophthalmologischen Langzeitergebnisse zu verbessern, müssen die erstversorgenden Ärzte
sich der Differentialdiagnose einer durch Tumordruck induzierten Sehstörung bewußter
werden.
Abstract
Background and objective: Suprasellar meningioma continues to be diagnosed very late after the onset of first
eye symptoms. This study was aimed at demonstrating the effect of delay on the long-term
visual loss.
Patients and methods: In the course of a retrospective study all 53 consecutive patients operated on for
suprasellar meningioma from 1982 to 1991 were contacted (47 women, 6 men; average
age 49.5 years) 46 of the 49 surviving consented to the follow-up investigation. The
extent of preoperative visual loss, tumour size, presence of optic nerve atrophy and
duration of visual loss, data that provide an indirect measure of how soon the correct
diagnosis was made, were analysed with regard to their effect on long-term ophthalmological
results.
Results: The mean period elapsing from onset of first visual symptoms to the definitive diagnosis
of suprasellar meningioma was 22.3 months. The data showed that the long-term results
were the worse the later the diagnosis was made.
Conclusions: The commonly very late diagnosis of suprasellar meningioma as cause of visual loss
is an international problem and is presumably due to the low incidence of the tumour
(1-2 cases per 1 mill. population per year). If long-term results are to be improved,
primary care doctors must be made aware of the differential diagnosis of visual loss
caused by pressure from a tumour.